Mundhöhle & Rachen

Mundhöhle & Rachen

Der Rachen wird anatomisch unterteilt in den Nasenrachenraum (Epipharynx oder auch Nasopharynx), den Mundrachen (Oropharynx)und den tiefen Rachen ( Hypopharynx).

Waldeyer Rachenring

In der Mundhöhle, am Eingang zum Rachen und im Rachen findet sich der Waldeyersche Rachenring, der bedeutsame immunologische Funktionen erfüllt und als Abwehrbarriere gegen Krankheitserreger fungiert. Der Waldeyersche Rachenring besteht v.a. aus der Rachenmandel (Adenoide, kindliche Polypen), den Gaumenmandeln (Tonsillen), den Zungengrundmandeln (Zungengrundtonsillen) und den sogenannten Seitensträngen. Man darf ihn sich nicht wirklich als Ring vorstellen sondern vielmehr als inselförmige Ansammlungen von Mandelgewebe.

Probleme können entstehen im Falle der Vergrößerung (Hyperplasie), Entzündung oder der bösartigen Entartung.

Hyperplasie

Je nach Lokalisation kann eine Vergrößerung des jeweiligen Mandelgewebes krankmachende Folgen haben.
Im Falle der Adenoide kommt es v.a. im Kindesalter zu Belüftungsstörungen der Ohren mit Paukenerguss und Schwerhörigkeit sowie zur Mundatmung und zum Schnarchen. Mittelfristig ist eine Sprachentwicklungsverzögerung die Folge. ( siehe auch Adenotomie , Paracentese, Paukendrainge )
Sind die Tonsillen zu groß können sie, wenn die Vergrößerung nach oben in den Nasopharynx zeigt die gleichen Probleme wie Adenoide verursachen. Berühren sich die vergrößerten Tonsillen in der Mittelinie oder reichen sie nach unten in den tiefen Rachen hinein ist die Nahrungsaufnahme und die Stimme sowie das Sprechen beeinträchtigt. Zu dem kann es bei Kindern zu Symptomen kommen, die einer obstruktiven Schlafapnoe entsprechen mit den entsprechenden ernsthaften Folgen für die allgemeine Entwicklung des Kindes.

Diese Veränderungen betreffen wiederum v.a. Kinder. Gerade im Kindesalter ist jedoch die immunologische Funktion des Mandelgewebes sehr wichtig. Somit ist eine sorgsame Abwägung erforderlich wie diese Veränderungen therapiert werden sollen. Es handelt sich hierbei in jedem Fall um eine Einzelfallentscheidung, die zwischen den Eltern, dem behandelndem Kinderarzt und dem HNO Arzt getroffen werden muss. Als eine sehr gute Alternative zur Mandelentfernung, die in Fälle einer reinen Hyperplasie abzulehnen ist, hat sich die Teilentfernung der Tonsillen mit dem Laser etabliert. ( siehe auch Lasertonsillotomie )

Liegt eine Zugengrundhyperplasie vor, kommt es in diesem Bereich des Rachens zu einer Verengung, die zu Schluckbeschwerden führen kann. Daneben gilt diese Veränderung als eine der Ursachen für nächtliches Schnarchen. Wenn zusätzlich nächtliche Atemaussetzer hinzukommen bekommt die Zungengrundhyperplasie erheblichen Krankheitswert und muss adäquat therapiert werden. Eine gute Therapieoption stellt dabei die Radiofrequenztherapie dar, bei der das hyperplastische Gewebe mit einer sich auf ca. 80 Grad Celsius erwärmenden Nadel zur Vernarbung und damit zur Verkleinerung gebracht wird.

Akute Entzündungen

Eine akute Entzündung des Gewebes des Waldeyerschen Rachenringes kann zu erheblichen Schluckbeschwerden und evtl. zu Atemproblemen führen. Eine weitere Gefahr ist die Ausbreitung der Infektion in das benachbarte Gewebe mit der Folge einer Abszessbildung (Peritonsillarabszess). Die Folgen können Atemnot oder gar eine Entzündung des Herzbeutels (Mediastinitis) sein. Entzündungen des Rachenringes sollten hno-ärztlich gesehen werden, weil nur er die tiefen Rachenabschnitte und den Kehlkopf sicher einsehen und damit oben genannte Komplikationen rechtzeitig vermeiden kann.

Chronische Entzündungen

Hier ist v.a. die chronische Entzündung der Tonsillen zu nennen. Im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten wird die Notwendigkeit zur vollständigen Mandelentfernung ( Tonsillektomie ) deutlich zurückhaltender gesehen. Zweifellos sollten die Tonsillen entfernt werden wenn es schon einmal zu einem Peritonsillarabszess gekommen ist. Ab wie vielen akuten eitrigen Tonsillitiden von einer chronischen Tonsillitis gesprochen werden muss ist heutzutage ebenso umstritten wie die Frage ob bei einer wiederkehrenden Tonsillitis die Tonsillen überhaupt entfernt werden sollten. Die früher als Indikation gesehene Fokustheorie, nach der es zu einer Aussaat von Streptokokken ( Bakterien die akute Mandelentzündungen auslösen können ) in den Körper mit Spätfolgen im Bereich der Gelenke, den Herzklappen und den Nieren kommt, gilt heute als nicht mehr unumstritten. Auch in diesem Fall muss die Entscheidung für oder wider eine Tonsillektomie individuell entschieden werden. Zu Bedenken ist hierbei insbesondere, dass es sich bei der kompletten Entfernung der Tonsillen keineswegs um eine risikoarme Operation handelt, sondern, dass es alleine in Deutschland jährlich zu mehreren tödlich verlaufenden Nachblutungen kommt.

Chronische Entzündungen der Mundschleimhaut und der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) kommen häufig im Rahmen von normalen Alterungsprozessen der Schleimhäute, im Rahmen von rheumatischen Erkrankung, sehr häufig im Rahmen einer behinderten Nasenatmung und auch als Medikamentennebenwirkung. Sie werden durch Beheben der Grunderkrankung oder wenn dies nicht möglich ist symptomatisch behandelt.

Bösartige Tumore

In allen Bereichen des Pharynx und der Mundhöhle können bösartige Tumore entstehen. In allen diesen Fällen ist sicher eine genetische Prädisposition gegeben. Im Bereich des Epipharynx spielen in manchen Regionen Virusinfektionen eine Rolle. In der Mundhöhle, dem Zungengrund und dem tiefen Rachen spielt jedoch die Kombination aus harten alkoholischen Getränken und Rauchen die entscheidende Rolle bei der Entstehung dieser Krebsform. Eine frühzeitige Untersuchung und Diagnosestellung durch den HNO Arzt ist ganz entscheidend für die Prognose dieser Erkrankungen.

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